Denis Lorrain

 

Construction 040

Treize miniatures en formes de galaxies

Algorithmische Komposition für Computerflügel

(2010, Gesamtdauer: *ca.* 23 Min.)

 

Programmheft

 

   Nach Jahren der Stille festigte sich in mir eine andere Einstellung zur musikalischen Komposition, die meinen realen Standpunkt berücksichtigt, von der Hoffnung geleitet, mich von vielfältigen Abhängigkeiten und Beschränkungen zu befreien. Ein Aphorismus von Joan Miró war für mich in dieser Hinsicht hilfreich: "Manche mögen sagen, dies ist keine Malerei, aber darauf pfeife ich."

 

   Meine neue Herangehensweise konkretisierte sich in den von mir so genannten Musical Constructions. Mit minimalen, eigens dafür entwickelten Methoden verwende ich in diesen Stücken reduzierte und wohldefinierte algorithmische Prozesse in einer sehr freien Weise, die ich intuitiv und expressiv nennen möchte. Ein Oxymoron, mit dem ich einverstanden bin: diese widerstreitenden Gegensätze bilden das Herz meines Unterfangens. Handelt es sich nicht eher um musikalische Experimente?

 

   Manche Früchte dieses Ansatzes erweisen sich als anstrengend, schwierig, sogar a-musikalisch (Constructions 038 and 039), entwickeln exzessiv lange Formen und neigen zur Spröde durch die extreme Reduktion der Mittel. In diesen Fällen steht der kritische Gegensatz zwischen Algorithmus und Intuition auch quer zur Ausdruckskraft.

 

   Andere, wie Construction 037 Gryllibus und Construction 040 Treize miniatures en formes de galaxies dagegen, drehen den Gegensatz zugunsten einer bestimmten musikalischen Expressivität und Buntheit um.

 

   Die dreizehn Miniaturen der Construction 040 stammen alle von demselben Algorithmus ab. Obwohl das Prinzip einfach ist, verlangt der Prozess einen hohen Grad an Abstrahierung der Kontrollparameter. Er besteht einfach aus Projektionen von Punkten auf Achsen, die jeweils eine Dimension von Klangereignissen (Zeitpunkt, Dauer, Tonhöhe, Lautstärke) repräsentieren. Aber die quantitative Ausrichtung der Projektionsachsen bzw. derer Einfallswinkel erlaubt eine Vielfalt an Formen im Ergebnis, in die diese kurzen Stücke einen Einblick geben.

 

   Das Prinzip variierter Projektion von Punkten auf Achsen hatte ich in Construction 038 au Plan musical schon auf sehr lange Zeiträume angewendet, aber auf einfachere systematische Weise. Für Treize miniatures en formes de galaxies beschränkte ich mich auf kurze Dauern. Um dies zu kompensieren, sind die Strukturen der projizierten Punkte hier komplexer und fraktal. Dank ihrer Kürze konnten nun viele Stücke kontrastierend zueinander gestaltet werden.

 

   Die dreizehn Miniaturen bestehen aus sechs Paaren von Stücken und einem weiteren Stück. Um die unendlichen Möglichkeiten zu überblicken und erforschen, die durch Abstraktion des Algorithmus entstanden, griff ich auf geometrische Repräsentationen zurück. Zum Beispiel wurden die zwei Stücke jedes Paars als symmetrisch zueinander in Bezug auf eine oder mehrere Dimensionen konzipiert. Die sechs Paare sind sequentiell ineinander verschachtelt. Die freiere und unabhängigere dreizehnte Miniatur steht daher natürlicherweise in zentraler Position.

 

DLO

Karlsruhe

10/2011

Übersetzung: Bernd Härpfer